Barocke Sonaten und Suiten

für Blockflöte, Schlüsselfiedel, Drehleier

und Basso Continuo

Presse




22. Mai 2012  | bg

Instrumentenkunde gleich mitgeliefert

Musiktage – „Chant des Grillons“ heimst beim Konzert in Stockstadt

herzhaften Beifall und so manchen Lacher ein


Das Ensemble „Chant des Grillons“ mit Meike Herzig (Blockflöte),

Marco Ambrosini (Schlüsselfidel),

Riccardo Delfino (Drehleier),

Werner Matzke (Violoncello)

und Alexander Puliaev (Cembalo)

interpretierte barocke Kompositionen mit viel Humor und großem Können.

Foto: Robert Heiler


Stockstadt

Das Ensemble „Chant des Grillons“ offenbarte gleich zu Beginn des beim dritten Konzerts der Musiktage ein Herz für Verlierer: Nicolas Chedeville (1705 bis 1782) war in Frankreich mit seiner Musik reich geworden, heiratete in späten Jahren eine junge Frau, verspekulierte sich kräftig und verlor alles. Mit Witz moderierte Meike Herzig den Ausflug in die Alte Musik mit Volksmusikinstrumenten, bei dem der Oboist eine große Rolle spielte. Die Flötistin, Preisträgerin beim Tonger-Wettbewerb in Köln, stellte den Komponisten auch als Bauer vor – äh ... Instrumentenbauer. Und schon lachte der Saal. Dreimal hörten die vielen Gäste Werke des großen Vivaldi-Verehrers, dessen Liebe zu dem Italiener so weit ging, dass er ein Werk „als Vivaldi“ komponiert hat. Die Adaption auf die „Jahreszeiten“ hatte sein Vorbild allerdings gebilligt. Vom bedächtigen Rieseln der Schneeflocken führte das abschließende Allegro in „L’Hiver“ zu heftigem Schneetreiben. Herzhaften Beifall eines dankbaren Publikums nahm das Ensemble auch nach dem spanischen Irrwitz der „Follies d’Espagne“ entgegen. Zahlreiche junge Menschen schenkten der Alten Musik Gehör. Und um sie noch besser zu verstehen, gab es nach der Pause eine kleine Instrumentenkunde: Marco Ambrosini stellte seine Schlüsselfidel als „Schlüsselbord, also Keyboard“ vor. Sie sei in einem kleinen schwedischen Dorf immer und immer wieder gespielt worden, „weil es von der Welt abgeschieden war und neue Entwicklungen nicht mitbekam“. Das Instrument hat es gar auf den 50-Kronen-Schein geschafft. Am Portal der Kathedrale von Santiago de Compostella prangt eine Drehleier, wie Riccardo Delfino zu berichten wusste. Sie war vom Kirchen- zum Bettelinstrument abgesunken, bevor eine Renaissance einsetzte. „Sie ist ziemlich kompliziert, aber man erspart sich das lästige Atmen.“ Werner Matzke am Violoncello und Alexander Puliaev bildeten die kongeniale Ergänzung zu den drei übrigen Künstlern. Sie spielten auch Stücke solo, zu zweit oder als Quartett, wobei sich alle als Hochkaräter zeigten. Insbesondere Chedeville verlangte hohes technisches Können und Fantasie. Die exzentrische Instrumentierung und das inbrünstige Spiel der Künstler setzte sich bei etwa bei Domenico Gabrielli oder den beiden italienischen Violinisten und Komponisten Marco Uccellini und Francesco Xaverio Geminiani fort. Einen weiteren „Verlierer“ präsentierte das Ensemble mit Pierre Gautier: Er durfte als Erster in der französischen Provinz eine Oper aufführen, bezahlte seine Musiker so gut, dass er schließlich zahlungsunfähig im Gefängnis landete, sich später finanziell erholte – und mitsamt seiner Truppe nach einem Schiffsunfall ertrank. Bei der Musik von Johann Sebastian Bach brillierte Puliaev am Cembalo. Zum Ende gab es Vivaldi im Original und – fast voraussehbar – Chedeville mit den Freuden des Sommers.

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